Ratgeber für die Abwassergebühr.


Die Abwassergebühren sind Kommunalabgaben, die aufgrund der Benutzung der städtischen Kanalisation und der Kläranlagen erhoben werden. In Deutschland wurden sie früher einheitlich gemäß dem Verbrauch an Trinkwasser in Kubikmetern berechnet (evtl. abzüglich gesondert nachzuweisender Wassermengen, die nicht eingeleitet werden sondern auf dem Grundstück verbleiben). In dieser einheitlichen Gebühr waren sowohl der Anfall an häuslichem Schmutzwasser (Abflüsse von Toiletten, Duschen, Badewannen, Waschbecken, Geschirrspülern, Waschmaschinen) als auch der Anfall an Regenwasser (Abflüsse von Dächern, Höfen, Grundstückszufahrten, etc. enthalten.


Erhebung der Niederschlagswassergebühr.

Niederschlagswassergebühr

(Quelle Bild: Fotolia #109309495.)

Eine Niederschlagswassergebühr fällt an (Bild 1), wenn Regenwasser von bebauten (undurchlässigen) Flächen (Dächer, Terrassen, Hofflächen, Garagenzufahrten) in die öffentliche Kanalisation eingeleitet wird. Damit haben es Grundstücksbesitzer generell in der Hand, die Höhe der Gebühr selbst zu bestimmen. Gelangt Regenwasser einen Misch- oder Regenwasserkanal, so werden zwischen 0,20 Euro und 2,12 Euro Gebühr pro Quadratmeter und Jahr undurchlässiger Flächen fällig. Gelangt das Wasser nicht in den Kanal, fällt auch keine Gebühr an.

Allerdings gibt es für bestehende Gebäude den Anschluss- und Benutzungszwang, das heißt man kann nicht einfach sein Regenwasser alternativ nutzen oder versickern und muss automatisch die Niederschlagswassergebühr nicht mehr bezahlen. Hier muss zunächst beim Kreis oder der Gemeinde angefragt werden, ob eine Befreiung von der Gebühr möglich ist. Auskunft erteilen die Tiefbauämter oder auch die Umweltämter der Kreise und Gemeinden.

Beim Neubau verlangen die meisten Bundesländer grundsätzlich eine Versickerung, Verrieselung oder ortsnahe Einleitung in ein Gewässer, sofern nicht schwerwiegende Gründe entgegenstehen (Altlasten auf dem Grundstück, hoher Grundwasserstand, tonige Böden mit zu geringen Versickerungsraten). Bei sachgemäßen Planung und Bauausführung entfällt so die Niederschlagswassergebühr, allerdings muss dies im Entwässerungsantrag bereits so erläutert sein.


Maßnahmen zur Gebührenreduktion.

kosten senken

(Quelle Bild: Fotolia # 9228576.)

Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, wie Regenwasser auf dem Grundstück zurückgehalten und nicht in die Kanalisation eingeleitet werden kann. Dies sind eine Nutzung von Niederschlagswasser, die Versickerung vor Ort in Richtung des Grundwassers oder die direkte Einleitung in ein ortsnahes Gewässer.

Bei der Regenwasserversickerung sollte nach Möglichkeit der gesamte Regenabfluss auf dem Grundstück versickert werden. In diesem Fall fallen keine Niederschlagswassergebühren an. Gleiches gilt für die Einleitung in ein Gewässer, wobei durch Benutzung eines Gewässers auch eine Gebühr anfallen kann.

Nutzt man sein Regenwasser z.B. für die Gartenbewässerung oder aber auch für die Toilettenspülungen, für die Waschmaschine und zu Reinigungszwecken ist die Lage nicht so eindeutig. Nur wenn sichergestellt ist, dass das überlaufende Wasser einer gefüllten Regenwasserzisterne nicht in den öffentlichen Kanal ablaufen kann, fällt theoretisch keine Niederschlagswassergebühr an.

Sind Überläufe der Zisternen an den Kanal angeschlossen, so werden in den meisten Fällen die vollen Gebühren oder reduzierte Gebühren fällig.


Regenwasserversickerung

Versickerungsmulde

(Quelle Bild: Fotolia 107252920.)

Die am häufigsten verwendete Methode zur ortsnahen Beseitigung von Niederschlagswasser stellen Versickerungsanlagen dar. Bei diesen wird das Wasser auf dem Grundstück wie in der Natur dem Grundwasser zugeführt.

Das kann über Flächenversickerungen (einfache Rasenfläche) über Versickerungsmulden (begrünte Depressionen in denen Wasser gespeichert und versickert wird) oder über unterirdische Anlagen wie Rigolen erfolgen.

Die Bemessung solcher Anlagen wird gemäß dem Arbeitsblatt A138 der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.) durchgeführt.

Dazu wird die Größe der undurchlässigen Fläche auf dem Grundstück, die Durchlässigkeit des Bodens, der Abstand von der Geländeoberfläche zum höchsten Grundwasserstand sowie eine Regenstatistik (KOSTRA Atlas des Deutschen Wetterdienstes) für die Region benötigt.

Wasserdurchlässiges Pflaster

(Quelle Bild: Klostermann GmbH & Co. KG.)

 

 

Auch Mindestabstände zu unterkellerten Gebäuden und Nachbargrundstücken müssen eingehalten werden.

Des Weiteren kann der Regenabfluss z.B. durch Kraftfahrzeuge verschmutzt sein, so dass das Wasser vor der Versickerung gereinigt werden muss. Fachplaner helfen hier im Einzelfall weiter.

Grundsätzlich wird in oberirdische Anlagen wie Versickerungsmulden (Bild 2), wasserdurchlässige Flächenbeläge (Bild 3) und unterirdische Anlagen wie Rigolen oder Kunststoffspeicherblöcke (Bild 4) unterschieden.

Die erste Variante finden oft Anwendung, wenn genügend Platz auf dem Grundstück vorhanden ist.

 

Unterirdische Versickerungsanlage aus Kunststoffblöcken

(Quelle Bild: Rehau AG + Co.)

 

Die belebte Bodenzone bei begrünten Anlagen sorgt außerdem dafür, dass das Regenwasser vor der Versickerung gereinigt wird, damit das Grundwasser nicht durch Schadstoffe gefährdet ist.

Fehlt dieser Platz auf dem Grundstück, so werden bevorzugt unterirdische Anlagen eingesetzt, die unter den Grünflächen oder auch unter Parkplätzen angeordnet werden können.

Hier kann Regenwasser ungereinigt in den Untergrund eindringen, daher sind teilweise vorgeschaltete Absetz- oder Filteranlagen notwendig, damit das versickernde Wasser sauber ist.

 

 

 


Regenwasserbehandlung

Filterschacht zur Reinigung von belastetem Regenwasser

(Quelle Bild: 3P Technik Filtersysteme GmbH.)

Während Wasser von Dachflächen relativ sauber ist und in der Regel ohne weitere Maßnahmen versickert werden kann, ist Wasser von Verkehrsflächen wie Parkplätzen und Straßen meistens stärker mit Schadstoffen wie Mineralölen oder Schwermetallen belastet.

Daher müssen Regenabflüsse von solchen Flächen oftmals vor der Versickerung gereinigt werden.

Hierfür eignen sich z.B. Filteranlagen (Bild 5) oder Entwässerungsrinnen mit integrierten Filterpaketen (Bild 6).

Nur so vorbehandeltes Wasser darf dann in den Versickerungsanlagen versickert werden. Ausnahmen bilden begrünte Flächenversickerungen und Muldenversickerungen, da bei diesen eine belebte Bodenpassage für die Reinigung sorgt.

Allerdings benötigen diese einen deutlich höheren Platz als technische Filteranlagen.

 

Entwässerungsrinne mit Filter

(Quelle Bild: Birco GmbH.)

 

Alle Filteranlagen müssen entsprechend den Herstellerangaben ausgelegt und dimensioniert werden.

Da es eine Vielzahl von Anlagen gibt, die sich vor allem im Betrieb und in der Wartung unterscheiden, helfen Zulassungen dabei, geprüfte Produkte ausfindig zu machen.

Die wichtigsten Zulassungen für die Versickerung sind die allgemeinen, bauaufsichtlichen Zulassungen des Deutschen Instituts für Bautechnik in Berlin (DIBt), die eine Eignung der Anlagen gewährleisten und genaue Angaben zu Planung, Einbau und Wartung machen.

Für die Ableitung in Oberflächengewässer sei auf die LANUV-Liste (Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen) verwiesen. Für den Spezialfall Metalldächer existiert außerdem eine bayerische Landeszulassung gemäß bayerischem Wassergesetz, die auf den Seiten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) abgerufen werden kann.


Regenwassernutzung

Regenwassernutzungsanlage

(Quelle Bild: 3P Technik Filtersysteme GmbH.)

Eine weitere Möglichkeit Niederschlagswassergebühren zu reduzieren stellen Anlagen zur Nutzung von Regenwasser dar.

Bei diesen wird das Wasser hauptsächlich von den Dächern in eine meist unterirdische Zisterne eingeleitet (Bild 6).

Auch dieses Wasser sollte über Filter vorgereinigt werden, damit die Stoffe im Dachabfluss nicht zu einer schlechten Wasserqualität in der Zisterne führen (Bild 7). Das Wasser kann dann z.B. zur Gartenbewässerung genutzt werden.

Bei einer frühzeitigen Planung kann es auch für Toilettenspülungen, Reinigungszwecke und Waschmaschinen eingesetzt werden und ersetzt teures Trinkwasser.

 

Regenwasserfilter

(Quelle Bild: 3P Technik Filtersysteme GmbH.)

 

 

Der Überlauf der Zisterne kann versickert werden. Aber auch eine Retention von Niederschlagswasser ist mit Zisternen möglich.

In diesem Fall wird ein Teil des Wassers über eine Drosseleinrichtung an die Kanalisation abgegeben.

So läuft das Wasser zeitverzögert nach dem Regenereignis ab und belastet die Kanalisation nicht. Eine gedrosselte Einleitung kann bei vielen Kommunen und Kreisen zu einer Reduktion der Niederschlagswassergebühr führen.

Informationen hierzu sind bei den zuständigen Ämtern zu erfragen.

 

 


 

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Verfasser: Prof. Dr.-Ing. Carsten Dierkes / Münster